26.07.05
Frühbeete
Wie baut man ein schildkrötentaugliches Frühbeet und welche Ausstattung und Technik gehört dazu?
(von S.Willig, E.Vockenberg und E.Mistelbauer)
Grundlegendes:
Terrarienhaltung bei Europäischen Landschildkröten ist strikt abzulehnen, da in Terrarien, auch wenn sie noch so groß bemessen sind, der natürliche Lebensraum der Tiere nie in einer Art und Weise nachempfunden werden kann, wie es im Freiland möglich ist. Schildkrötenhaltung lässt sich (auch wenn das leider immer wieder behauptet wird) nicht auf einige wenige Parameter reduzieren. Weiters wird oft fälschlicherweise Haltungserfolg mit Zuchterfolg gleich gesetzt. Als kleiner Denkanstoß: Auch Batteriehühner legen Eier und das nicht zu knapp… Trotzdem gehen sie ein, bevor ihre natürliche Uhr abgelaufen ist!
Warum Frühbeete?
Damit sich unsere Schildkröten auf die nötige „Betriebstemperatur“, also die Körpertemperatur, bei der alle Stoffwechselvorgänge optimal funktionieren, aufwärmen können, sind beheizbare Frühbeete in unseren Breiten unumgänglich.
Wir lehnen es aus folgenden Gründen außerdem entschieden ab, Europäische Landschildkröten ständig vom Freigehege ins Terrarium und zurück zu tragen:
1. Jedes Hochheben der Tiere ist ein unnatürlicher Eingriff und mit Angst für die Schildkröten verbunden, da ein Verlust des Bodenkontakts bedeutet, dass die Tiere von Beutegreifern ergriffen worden sind.
2. Tiere, die oft ins Terrarium gebracht werden und dort (zeitweise) leben müssen, weisen gesundheitliche Defizite auf. Weiters wachsen sie falsch und sind obendrein anfälliger für Infektionskrankheiten wie Schnupfen.
Hier soll der Bau eines 1x1m Frühbeetes mit rundum Alltopverglasung beschrieben werden.
Das Ausgraben der Erde, Vorbereiten, Aufbauen und Einrichten des Frühbeets hat insgesamt ca. 4 Stunden gedauert. Das Umranden und Strukturieren eines Freigeheges würde noch einmal ca. 4 Stunden in Anspruch nehmen.
Schade finden wir es deshalb, wenn wir im Hochsommer hören/lesen müssen, dass die Frühbeete der Anfänger noch immer nicht aufgebaut wurden, weil die Halter dazu noch keine Zeit hatten und die (meist) kleinen Europäischen Landschildkröten noch immer im Terrarium dahinsiechen müssen. Leider zeigen sich die Folgen von Terrarienhaltung erst spät und viele Halter sind nicht davon zu überzeugen, dass Europäische Landschildkröten nur im Freigehege artgerecht „altern“ können.
Wer Europäische Landschildkröten jedoch einmal in einem artgerecht eingerichteten und bemessenen Freigehege mit Frühbeet beobachtet hat, wird erkennen welche Verhaltensweisen die Tiere dort ausleben und wie aktiv sie im Vergleich zu Terrarientieren sind…
Technik und Einrichtung eines Frühbeets für Europäische Landschildkröten
Als Bodenuntergrund verwenden wir unsere Gartenerde, die sehr locker ist. Bei Lehmböden sollte man etwas Sand oder Dauerhumus (nicht Rindenmulch) darunter mischen. Vor allem bei Jungtieren ist es sehr wichtig, das Substrat (vor allem im Schlafbereich) leicht feucht zu halten.
Dann kommt ein Schlafhaus aus Holz ins Frühbeet. Die Breite sollte der des Beetes entsprechen, damit die Schildkröten das Haus nicht verrücken können. Die Tiefe sollte so bemessen sein, dass alle Tiere darin Platz haben. Die Höhe muss man so variieren, dass man am oberen Rand Halterungen für die Lampen befestigen und auch den Frostwächter anbringen kann.
Bei uns haben alle Schlafhäuser einen abnehmbaren Deckel, der eine leichte Kontrolle ermöglicht, ob auch alle Tiere abends in ihrem Haus sind. Zusätzlich haben wir die Deckel mit einer Heizschlange versehen, die in den Übergangszeiten die Temperaturen im Schlafhaus erhöht >>>klick<<<. In das Haus kommt Stroh, im Herbst auch Laub.
Vor das Schlafhaus haben wir flache Steinplatten verlegt, die von den Wärmelampen angestrahlt werden und die Wärme auch speichern können.
In den ersten Wochen nach der Winterruhe stellen wir eine flache Badeschale, die täglich gesäubert wird, mit in das Frühbeet hinein, später trinken und baden die Tiere im Freigehege.
| Das Schildkrötengehege als eigenes Biotop (nicht nur für Schildkröten): Hier hat sich beispielsweise ein kleiner Molch in die Wasserschüssel verirrt. |
Die Lampen in einem Frühbeet für Schildkröten werden am besten mit einem Thermotimer gesteuert. Dieser ist so eingestellt, dass die Wärmelampen tagsüber zwischen 7 und 18 Uhr bei einer Temperatur unter 20 Grad angehen und ab 20 Grad wieder ausgehen. Der Fühler des Thermotimers muss unbedingt an der kühlsten Stelle des Frühbeets (im Schlafhaus) positioniert werden und auf keinen Fall unter der Lampe! So erreicht man direkt unter den Strahlern Temperaturen von ca. 40°C.
Als Wärmelampen in den Frühbeeten haben sich die PAR 38 EC FLOOD 30° Outdoor - Spotstrahler von Philips bestens bewährt. Sie sind wasserfest, lange haltbar und strahlen eine gute Wärme ab. Man bekommt sie in verschiedenen Größen und Wattzahlen. Je nach Größe des Frühbeetes setzen wir bei den adulten Europäischen Landschildkröten bis zu zwei 60 bis 80 Watt-Strahler ein.
Die Wärmelampen werden unterschiedlich mit Pflanzampelhaken und Wandregalelementen, die man am Schlafhaus anbringt, oder aber direkt am Frühbeetrahmen befestigt:
Diese Befestigungsart ist eine praktsiche und einfach zu realisierende Methode um Kükenleuchten, in die man die passenden Outdoor-Birnen schraubt, in Frühbeeten anzubringen. Gesteuert werden die Lampen wiederum mit einem Thermotimer.
Hat man keine Möglichkeit die Lampen an einem Haus zu befestigen, kann man sie auch direkt an den Frühbeetrahmen anbringen. Wie sich das einfach und preiswert bewerkstelligen lässt, sollen diese Bilder zeigen:
Erdspießlampen sind zwar sehr praktisch, da sie einfach zu „montieren“ und outdoortauglich sind, jedoch sind diese Spieße darauf ausgerichtet den Lichtkegel nach oben zu werfen und nicht auf den Boden, wo wir Schildkrötenhalter ihn haben möchten. Deshalb würden die Birnen viel zu nah über den Panzern der Babyschildkröten, für die wir die Erdspieße verwenden, hängen und so die Reptilien verbrennen. Vor allem beim Einsatz von Birnen mit einem größeren Lichtkegel ist es deshalb notwenig die gekauften Erdspieße zu präparieren:
Dazu verwenden wir:
1 handelsüblichen Erdspießlampe
1 Blumentopf aus Ton mit Abflussloch im Boden
Silikon oder Montageschaum
Der Erdspieß wird in das Loch des Tonblumentopfs gesteckt und mit Silikon angeklebt bzw. das Innere des Topfs mit Montageschaum ausgesprüht.
Hat man sich dazu entschlossen Montageschaum zu verwenden, schneidet man nach dem Trocknen die aus dem Tontopf hervorquellenden Reste einfach mit einer Säge oder einem Messer ab.
Nun ist der Abstand Birne – Boden wesentlich schildkrötentauglicher als zuvor und mit einer 60W Outdoor-Birne lassen sich im Lichtkegel Temperaturbereiche erzielen, die die Schildkrötenschlüpflinge benötigen um auf ihre „Betriebstemperatur“ von ca. 38°C zu kommen. Auch diese Lampen werden mittels eines Thermotimers gesteuert.
Jedoch lassen sich Frostwächter mit dem nötigen Abstand zur Frühbeetverglasung direkt an den Frühbeetrahmen anbringen:
Für das Frühbeet der Testudo horsfieldii haben wir einen Elsteinstrahler für die Nacht installiert, der direkt auf das Schlafhaus gerichtet ist. Dieser wird nur bei Temperaturen unter 5 Grad eingeschaltet.
| Für die Stromversorgung haben wir ein Erdkabel verlegt und in einigen Frühbeeten Doppel-Gartensteckdosen installiert. |
Für die Jungtiere bis zu 4 Jahren benützen wir im Frühjahr ein „Kükenheim“ als Schlafhaus. Dieses Kükenheim ist aus Hartplastik mit einem kleinen Eingang vorne und oben unter dem Dach verlaufen Heizdrähte. Das Haus ist etwa 18 cm hoch. Bei einer Umgebungstemperatur von 20°C, kann man die Temperatur im Kükenheim zwischen 28 und 38°C regeln. Steht das Häuschen im Frühbeet bei ca. 10°C, dann erreicht man mit der untersten (!) Stufe 15°C. Wird die Umgebungstemperatur noch kälter, bekommt man aber im Haus immer noch 12°C. Das reicht völlig aus um die Kleinen direkt nach der Winterruhe in das Frühbeet zu bringen.
Dieses Wärmehaus ist ab Mai nicht mehr in Betrieb, weil die Nachttemperaturen es dann nicht mehr nötig machen.
Jedes unserer Frühbeete ist mit einem automatischen Fensterheber ausgestattet. Wir verwenden Spezialkolben, die sich erst bei einer Temperatur von 27°C zu öffnen beginnen und sich bei 37°C wieder schließen. Vollständig geöffnet sind die Aufhalter mit diesen Kolben bei 41°C, vollständig geschlossen bei 24°C. Somit haben wir auch das Problem gelöst, dass die Lampen noch an sind, während sich der Aufhalter schon öffnet, was die Stromrechnung unnötig in die Höhe treiben würde. Zu beziehen sind diese Sondermodelle in der Samenkiste.
Verfasst um 13:27 | Kommentare (0)